Konzeptgruppe 4: Sicherheitsmacht

Die Konzeptgruppe "Sicherheitsmacht" diskutiert die machtpolitischen und machttheoretischen Implikationen des Sicherheitsbegriffs vor dem Hintergrund bisheriger historiographischer Konzeptionen von Sicherheit. "Sicherheit" und "Macht" sind in den Geistes- und Sozialwissenschaften in jüngerer Zeit mithilfe Foucaultscher Kategorien in einen neuen Bezug zueinander gebracht worden, weswegen eine Auseinandersetzung mit diesen Kategorien am logischen Anfang der Arbeit der Konzeptgruppe steht. Foucault zufolge gehen Sicherheit und Macht in der Moderne eine institutionelle Ligatur ein, deren Effekt darin besteht, soziale Kontrolle durch die Beeinflussung von Bevölkerungsaggregaten v.a. in wirtschaftlicher, sozialpolitischer, militärischer und epidemiologischer Hinsicht zu ermöglichen (Foucault 2004). Dieser erweiterte, auf gesellschaftliche Steuerungsmechanismen generalisierte Sicherheitsbegriff, der auch Institutionen und Praktiken sozialer Sicherheit mit einschließt, hat sich in der jüngeren sozialwissenschaftlichen Diskussion der so genannten Governmentality Studies etabliert (s. etwa die kanonische Arbeit von Rose/Miller 1990 sowie Burchell 2005).

Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Konzeptdiskussion bildet aus folgenden Gründen den Ausgangspunkt der Arbeit in dieser Konzeptgruppe. Erstens erfordert die Ubiquität des Gebrauchs dieses Ansatzes in den internationalen Kultur- und Sozialwissenschaften sowie den Area Studies, wo er eine katalysierende, bündelnde und Interdisziplinarität fördernde Bedeutung hat, aus historischer Sicht eine intensive Auseinandersetzung (Bratich/Packer/McCarthy 2003). Zweitens wird erwartet, dass die kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Herangehensweisen an Gouvernementalität der Weiterentwicklung der Forschungsagenda des SFB/TRR 138auch in Hinblick auf sein interdisziplinäres und internationales Umfeld dienen wird. Drittens wird über diesen Weg eine Historisierung erreicht, die bei Foucault durch die historische Verortung der drei Konzeptionen der Pastoral-, Disziplinar- und gouvernementalen Macht zwar bereits angelegt und bis in die Vormoderne hinein perspektiviert wurde, die jedoch durch die im SFB/TRR 138 vertretenen Teilprojekte stringenter und differenzierter umgesetzt bzw. überprüft werden kann. Viertens kann die Konzeptgruppedazu beitragen, die im Anschluss an die Konzeption der Gouvernementalität durchgeführten Arbeiten zur Ausweitung sozialer Kontrollregime in der Gegenwart mit den aus der konstruktivistischen Sicherheitsforschung bekannten Arbeiten zur Erweiterung von Sicherheitsbezügen und -räumen über staatliche Souveränität hinaus (Daase 2011b, 2012) zu verbinden und historisch zu spezifizieren. Daher wird sich die Konzeptgruppekritisch sowohl mit einzelnen Komponenten des gouvernementalité-Konzepts wie auch seiner jüngeren geistes- und sozialwissenschaftlichen Rezeption auseinandersetzen. Zum einen hat die jüngere Diskussion an bisherigen Gebrauchsweisen von Gouvernementalität die methodische Kritik geübt, dass die Analyse von (textuellen) Diskursen oftmals direkt auf die Virulenz der durch sie präformierten Praktiken und Routinen geschlossen habe, ohne diese tatsächlich zu untersuchen (Langley 2007). Der SFB/TRR 138 kann hier durch seinen Fokus auf Akteurskonstellationen mit dazu beitragen, den Machtbegriff des Gouvernementalitätskonzepts mit akteurs- und praxiszentrierten Ansätzen zu verbinden. Zum anderen sind die Historisierungsvorschläge Foucaults, insbesondere in Hinsicht auf die Verbindungen von Sicherheit, Territorialität und Gouvernementalität in der Moderne sowie die Abgrenzung der Gouvernementalität von Disziplinar- und Pastoralmacht bislang nicht konsequent geprüft worden. Im Zusammenhang hiermit ist das bei Foucault historisch gedachte Konzept in der Rezeption – etwa in soziologischen, politisch-ökonomischen oder literaturwissenschaftlichen Zeitdiagnosen – oftmals von einem modernisierungs- und kapitalismustheoretischen Idiom überschrieben worden (Gertenbach 2007; Langenohl 2009). Die Untersuchung von Versicherheitlichung auch in vormodernen und nicht kapitalistischen Zusammenhängen, die der SFB/TRR 138 anstrebt, kann hier zu differenzierteren Vorschlägen bezüglich des Verhältnisses von Sicherheit und Macht gelangen.

 

 

 

 

Konzeptgruppe 4: Sicherheitsmacht

Die Konzeptgruppe "Sicherheitsmacht" diskutiert die machtpolitischen und machttheoretischen Implikationen des Sicherheitsbegriffs vor dem Hintergrund bisheriger historiographischer Konzeptionen von Sicherheit. "Sicherheit" und "Macht" sind in den Geistes- und Sozialwissenschaften in jüngerer Zeit mithilfe Foucaultscher Kategorien in einen neuen Bezug zueinander gebracht worden, weswegen eine Auseinandersetzung mit diesen Kategorien am logischen Anfang der Arbeit der Konzeptgruppe steht. Foucault zufolge gehen Sicherheit und Macht in der Moderne eine institutionelle Ligatur ein, deren Effekt darin besteht, soziale Kontrolle durch die Beeinflussung von Bevölkerungsaggregaten v.a. in wirtschaftlicher, sozialpolitischer, militärischer und epidemiologischer Hinsicht zu ermöglichen (Foucault 2004). Dieser erweiterte, auf gesellschaftliche Steuerungsmechanismen generalisierte Sicherheitsbegriff, der auch Institutionen und Praktiken sozialer Sicherheit mit einschließt, hat sich in der jüngeren sozialwissenschaftlichen Diskussion der so genannten Governmentality Studies etabliert (s. etwa die kanonische Arbeit von Rose/Miller 1990 sowie Burchell 2005).

Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Konzeptdiskussion bildet aus folgenden Gründen den Ausgangspunkt der Arbeit in dieser Konzeptgruppe. Erstens erfordert die Ubiquität des Gebrauchs dieses Ansatzes in den internationalen Kultur- und Sozialwissenschaften sowie den Area Studies, wo er eine katalysierende, bündelnde und Interdisziplinarität fördernde Bedeutung hat, aus historischer Sicht eine intensive Auseinandersetzung (Bratich/Packer/McCarthy 2003). Zweitens wird erwartet, dass die kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Herangehensweisen an Gouvernementalität der Weiterentwicklung der Forschungsagenda des SFB/TRR 138auch in Hinblick auf sein interdisziplinäres und internationales Umfeld dienen wird. Drittens wird über diesen Weg eine Historisierung erreicht, die bei Foucault durch die historische Verortung der drei Konzeptionen der Pastoral-, Disziplinar- und gouvernementalen Macht zwar bereits angelegt und bis in die Vormoderne hinein perspektiviert wurde, die jedoch durch die im SFB/TRR 138 vertretenen Teilprojekte stringenter und differenzierter umgesetzt bzw. überprüft werden kann. Viertens kann die Konzeptgruppedazu beitragen, die im Anschluss an die Konzeption der Gouvernementalität durchgeführten Arbeiten zur Ausweitung sozialer Kontrollregime in der Gegenwart mit den aus der konstruktivistischen Sicherheitsforschung bekannten Arbeiten zur Erweiterung von Sicherheitsbezügen und -räumen über staatliche Souveränität hinaus (Daase 2011b, 2012) zu verbinden und historisch zu spezifizieren. Daher wird sich die Konzeptgruppekritisch sowohl mit einzelnen Komponenten des gouvernementalité-Konzepts wie auch seiner jüngeren geistes- und sozialwissenschaftlichen Rezeption auseinandersetzen. Zum einen hat die jüngere Diskussion an bisherigen Gebrauchsweisen von Gouvernementalität die methodische Kritik geübt, dass die Analyse von (textuellen) Diskursen oftmals direkt auf die Virulenz der durch sie präformierten Praktiken und Routinen geschlossen habe, ohne diese tatsächlich zu untersuchen (Langley 2007). Der SFB/TRR 138 kann hier durch seinen Fokus auf Akteurskonstellationen mit dazu beitragen, den Machtbegriff des Gouvernementalitätskonzepts mit akteurs- und praxiszentrierten Ansätzen zu verbinden. Zum anderen sind die Historisierungsvorschläge Foucaults, insbesondere in Hinsicht auf die Verbindungen von Sicherheit, Territorialität und Gouvernementalität in der Moderne sowie die Abgrenzung der Gouvernementalität von Disziplinar- und Pastoralmacht bislang nicht konsequent geprüft worden. Im Zusammenhang hiermit ist das bei Foucault historisch gedachte Konzept in der Rezeption – etwa in soziologischen, politisch-ökonomischen oder literaturwissenschaftlichen Zeitdiagnosen – oftmals von einem modernisierungs- und kapitalismustheoretischen Idiom überschrieben worden (Gertenbach 2007; Langenohl 2009). Die Untersuchung von Versicherheitlichung auch in vormodernen und nicht kapitalistischen Zusammenhängen, die der SFB/TRR 138 anstrebt, kann hier zu differenzierteren Vorschlägen bezüglich des Verhältnisses von Sicherheit und Macht gelangen.