Teilprojekt A03 — Dynastische Eheverträge und Versicherheitlichung 

Bild: Friedrich V. und Elisabeth Stuart
(Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)


Dynastische Eheverträge bilden einen wesentlichen Bestandteil innerhalb des europäischen Vertragsrechts der Frühen Neuzeit. Die hohe Sicherheitsrelevanz dynastischer Ehepolitik wird in der Forschung oftmals betont, doch welche Rolle diese Ehepolitik dabei spielt, wird sehr unterschiedlich bewertet. Zum Teil wird darin ein Hauptgrund für Destabilisierung und Krieg im frühneuzeitlichen Europa gesehen, zum Teil aber auch ein Weg, zusätzliche Sicherheit zu schaffen. Das Teilprojekt zielt darauf ab, das Verhältnis zwischen dynastischer Ehepolitik und der Darstellung bzw. Herstellung von Sicherheit historisch angemessen zu verstehen, um so die politische Funktion dynastischer Eheverträge, auch aus Sicht der Akteure, besser einordnen zu können.

Im engen Bezug zur Datenbank und ihrer Makroperspektive widmen sich ferner zwei Detailstudien der näheren Erforschung der Beziehung zwischen dynastischer Ehepolitik und Sicherheit im konkreten Einzelfall:
Das Arbeitsvorhaben 1b untersucht die dynastische Ehepolitik der dänisch-norwegischen Monarchie zwischen 1523 und 1700. Eine solche Untersuchung bildet nicht nur deshalb ein reizvolles Beispiel, weil sich die Bedeutung dieses Staates im Laufe dieses Zeitraums verschoben hat, sondern sie wird auch durch die reich kommentierte Vertragsedition „Danmark-Norges Traktater“ erleichtert. Die Untersuchung soll klären, wie dynastische Eheschließungen in die diplomatische Praxis der politischen Akteure eingebunden waren, wie diese unter dem Aspekt der Versicherheitlichung mit Eheschließungen Zukunft zu gestalten suchten, und welche Vorstellungen von Sicherheit in den Eheverhandlungen wirksam wurden.
Das Arbeitsvorhaben 2 setzt sich auf zwei Ebenen mit Sicherheit und dynastischer Politik auseinander: Durch die Übersetzung und Auswertung von politischer und juristischer Traktatliteratur von 1517-1795, insbesondere der Reichspublizistik, sollen zeitgenössische normativen Vorstellungen zur Fürstenehe und Sicherheit ermittelt werden. Diese Normen der gelehrten Teilöffentlichkeit wirkten in Form von universitärer Bildung, Rechtsgutachten und politischer Beratung begriffsbildend und handlungsleitend auf die politische Praxis. Dies soll anhand von Mikrostudien zu dynastischen Ehen des Hauses Hessen-Kassel zwischen 1649 und 1740 auf europäischer Ebene untersucht werden. Hierbei erfolgt sowohl eine Auswertung der Verhandlungsakten als auch kulturgeschichtlicher Quellen zu Feiern und Inszenierungen, um ein vielschichtiges Bild von der Sicherheitsrelevanz der dynastischen Ehe zu gewinnen.
Mit seinem Vorgehen wendet sich das Teilprojekt gezielt zunächst bislang eher vernachlässigten Aspekten dynastischer Ehepolitik zu, so jener in Nord- und Nordwesteuropa. Zudem rücken durch die Detailstudien auch Fragen der Repräsentation und des Verständnisses von Sicherheit im Kernbereich fürstlich-dynastischer Politik ins Blickfeld des Teilprojekts.

Dafür müssen die dynastischen Eheverträge der Frühen Neuzeit zunächst umfassend erschlossen und analysiert werden. Das geschieht im Rahmen des Arbeitsvorhabens Ia mit Hilfe einer Datenbank, die bis zum Ende des Projekts europaweit rund 600 dynastische Eheverträge mit königlicher oder quasi-königlicher Beteiligung aus dem Zeitraum 1500 bis 1815 formal und inhaltlich erfassen soll, um sie sukzessive, in geographisch gegliederten Schritten der Forschung online zur Verfügung zu stellen.

 

 

 

Teilprojekt A03 — Dynastische Eheverträge und Versicherheitlichung 

Bild: Friedrich V. und Elisabeth Stuart
(Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)


Dynastische Eheverträge bilden einen wesentlichen Bestandteil innerhalb des europäischen Vertragsrechts der Frühen Neuzeit. Die hohe Sicherheitsrelevanz dynastischer Ehepolitik wird in der Forschung oftmals betont, doch welche Rolle diese Ehepolitik dabei spielt, wird sehr unterschiedlich bewertet. Zum Teil wird darin ein Hauptgrund für Destabilisierung und Krieg im frühneuzeitlichen Europa gesehen, zum Teil aber auch ein Weg, zusätzliche Sicherheit zu schaffen. Das Teilprojekt zielt darauf ab, das Verhältnis zwischen dynastischer Ehepolitik und der Darstellung bzw. Herstellung von Sicherheit historisch angemessen zu verstehen, um so die politische Funktion dynastischer Eheverträge, auch aus Sicht der Akteure, besser einordnen zu können.

Im engen Bezug zur Datenbank und ihrer Makroperspektive widmen sich ferner zwei Detailstudien der näheren Erforschung der Beziehung zwischen dynastischer Ehepolitik und Sicherheit im konkreten Einzelfall:
Das Arbeitsvorhaben 1b untersucht die dynastische Ehepolitik der dänisch-norwegischen Monarchie zwischen 1523 und 1700. Eine solche Untersuchung bildet nicht nur deshalb ein reizvolles Beispiel, weil sich die Bedeutung dieses Staates im Laufe dieses Zeitraums verschoben hat, sondern sie wird auch durch die reich kommentierte Vertragsedition „Danmark-Norges Traktater“ erleichtert. Die Untersuchung soll klären, wie dynastische Eheschließungen in die diplomatische Praxis der politischen Akteure eingebunden waren, wie diese unter dem Aspekt der Versicherheitlichung mit Eheschließungen Zukunft zu gestalten suchten, und welche Vorstellungen von Sicherheit in den Eheverhandlungen wirksam wurden.
Das Arbeitsvorhaben 2 setzt sich auf zwei Ebenen mit Sicherheit und dynastischer Politik auseinander: Durch die Übersetzung und Auswertung von politischer und juristischer Traktatliteratur von 1517-1795, insbesondere der Reichspublizistik, sollen zeitgenössische normativen Vorstellungen zur Fürstenehe und Sicherheit ermittelt werden. Diese Normen der gelehrten Teilöffentlichkeit wirkten in Form von universitärer Bildung, Rechtsgutachten und politischer Beratung begriffsbildend und handlungsleitend auf die politische Praxis. Dies soll anhand von Mikrostudien zu dynastischen Ehen des Hauses Hessen-Kassel zwischen 1649 und 1740 auf europäischer Ebene untersucht werden. Hierbei erfolgt sowohl eine Auswertung der Verhandlungsakten als auch kulturgeschichtlicher Quellen zu Feiern und Inszenierungen, um ein vielschichtiges Bild von der Sicherheitsrelevanz der dynastischen Ehe zu gewinnen.
Mit seinem Vorgehen wendet sich das Teilprojekt gezielt zunächst bislang eher vernachlässigten Aspekten dynastischer Ehepolitik zu, so jener in Nord- und Nordwesteuropa. Zudem rücken durch die Detailstudien auch Fragen der Repräsentation und des Verständnisses von Sicherheit im Kernbereich fürstlich-dynastischer Politik ins Blickfeld des Teilprojekts.

Dafür müssen die dynastischen Eheverträge der Frühen Neuzeit zunächst umfassend erschlossen und analysiert werden. Das geschieht im Rahmen des Arbeitsvorhabens Ia mit Hilfe einer Datenbank, die bis zum Ende des Projekts europaweit rund 600 dynastische Eheverträge mit königlicher oder quasi-königlicher Beteiligung aus dem Zeitraum 1500 bis 1815 formal und inhaltlich erfassen soll, um sie sukzessive, in geographisch gegliederten Schritten der Forschung online zur Verfügung zu stellen.